(Deutsch) Umwälzungen in der arabische Welt

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eine vielköpfige Revolution

Christine Gruwez

Every Arab friend of mine has said exactly the same thing to me over the past weeks: „Never did I believe I would ever live to see this.“

Arabischer Frühling?

Es ist Frühling and während ich dies schreibe, pflanzen sich die Schockwellen unvermindert in den arabischen Ländern fort. Es ist nicht möglich, heute schon vorauszusehen, ob diese rasend schnell aufeinander folgenden Wellenschlagen die Landschaft endgültig verändert haben werden oder nicht. Sicher ist, dass es sich um Ereignisse handelt, bei denen Geschichte und Aktualität ineinander übergehen, wenn nicht zusammenfallen.

Die Militäroperation ‚Odyssey Dawn’ beginnt den ELFTEN?? ZWOELFTEN  sechsten Tag (genauer gesagt Nacht) ihres Militärschlages für eine No-fly-Zone/Flugverbotszone über Libyen und in Syrien wurden erneut Demonstranten bei Krawallen getötet. Im Jemen droht ein Bürgerkrieg und an der Elfenbeinküste ist dieser Zustand bereits eingetreten/ist dies bereits eine Tatsache.

Am 19 März sprachen sich in einem Referendum 77 % der Ägypter für eine Änderung des Grundgesetzes aus, wodurch der Weg für freie Wahlen freigemacht wird. Dies scheint ein hoffnungsvolles Signal zu sein, obwohl/wenn gleich manche die Zeit dafür noch nicht reif achten. Aber nicht das Ergebnis des Referendums bestimmt den demokratische Gehalt der Freiheitsbewegung. Es geht um einen Prozess.

In Tunesien, wo alles scheinbar begonnen ist, ist es zurzeit ruhig. Spärliche Nachrichten über Marokko, Algerien, Jordanien, Dubai und den Gaza-Streifen sickern durch. Die gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf den Kampf, der in Libyen geführt wird, fast genau acht Jahre seit dem Anfang des Irakkrieges, dessen Ausgang im ungewissen ist.

Das, was all diese Ereignisse miteinander zu verbinden scheint, ist, dass sie sich in Gebieten abspielen, die auf den gemeinsamen Nenner ‚arabische Welt’ zu bringen sind. Dennoch handelt es sich nicht um ein gleichseitiges Geschehen, es geht vielmehr um eine Art Entrollen, die sich vom Westen, vom Maghreb, aus immer weiter östlich verschiebt.

Es ist interessant, die Art und Weise anzuschauen, wie das bis jetzt in den Medien dargestellt wurde. Seit geraumer Zeit herrscht in den Medien der Trend, Volksaufstände und Revolutionen von einer qualitativen Bezeichnung zu versehen, wodurch sie über die nackten Tatsachen herausgehoben werden und mit dem Stempel eines Wendepunktes versehen werden. Zum Beispiel die Bezeichnung ‚Jasmin Revolution’, die eine Zeitlang für Tunesien gängig war, rief allerlei Assoziationen mit dem Aufblühen einer neuen Ära hervor, so dass prompt der Begriff ‚arabischer Frühling’ Einzug hielt. Der Frühling ist jung und indirekt verwies die Bezeichnung auch auf den großen Anteil junger Leute und die entsprechende Qualität von Frische und Spontaneität. Viele Medienbilder betonten genau diesen Aspekt. Zum ersten Mal war im Zusammenhang mit Tunesien auch die Rede von der Rolle des ‚sozialen Netwerks’ und der ‚Facebook und Twitter Generation’.

Die Ereignisse in Ägypten bekamen/erlangten außerdem das explizite Merkmal eines réveil, eines Erwachens, mit einem klaren Fokus auf das, was in den Medien mit dem Begriff ‚die demokratischen Grundrechte des Individuums’ zusammengefasst wurde. Le printemps arabe (arabischer Frühling) wurde nun auch zum réveil arabe (arabisches Erwachen) (Le Monde Diplomatique, März 2011) – eine leichte, aber nicht unbedeutende Verschiebung. Tagelang kam der Tahrirplatz in Kairo in Bild als das Zentrum, um den herum sich die Bewegung organisierte und von dem Punkt aus sie sich immer weiter, immer stärker ausdehnte. Der Platz wurde zum Symbol für das Forum, auf dem sich die civil society manifestieren konnte, einem Symbol, dessen Funktion und Kraft nur zu gut am 18. März verstanden wurde, als das Pearl Monument auf dem gleichnamigen Platz in Manama (Dubai) von den Autoritäten abgerissen wurde. Es sollte nicht zum Symbol der Rebellion werden.

Es zeigte sich bald, dass sich die Bewegung nicht auf Tunesien und Ägypten beschränken würde. Wie von selbst tauchte das Bild von fallenden Dominosteinen auf – ein nicht aufzuhaltender Prozess. Regelmäßig tauchte in den Medien dann auch die Frage auf, welcher Dominostein als nächster an der Reihe sein würde und, ob es sich um einen Aufstand, eine Widerstandsbewegung, eine Revolte/Rebellion, eine Revolution oder einen Befreiungskampf handeln würde. Die friedlichen Demonstranten auf dem Tahrirplatz und die gewaffneten Rebellen in Libyen: was haben sie gemeinsam? Dass sie Teil der ‚arabischen Welt’ sindIn Libyen gibt es offensichtlich keinen Platz, auf dem die verschiedenen Protestgruppen  Auge im Auge miteinander stehen. Das seit Jahrzehnten in Stammeseinheiten zersplitterte Land droht seinerseits in einen Bürgerkrieg zu versinken. Der ‚Frühling’ in Libyen scheint zurzeit eher grimmiger Natur zu sein. Die Stürme toben noch mit aller Wucht.

Die arabische Welt

Das, was wir an erster Stelle unter ‚arabischer Welt’ zu verstehen haben, ist ein Prinzip der Identität. Wie bei jede Form der Identität ist diese aus sowohl Aspekten der Divergenz als auch verbindenden Faktoren zusammengesetzt. Die arabische Sprache gehört zu dem, was diese Länder miteinander verbindet. Aber die Frage, ob auch der Islam zu diesen verbindenden Faktoren gerechnet werden kann, ist eine offene. Es reicht, die Forderungen der Demonstranten in Bahrain anzuschauen, um zu begreifen, dass in ihrem Fall ihre Zugehörigkeit zum Zweig der Schia bei ihrem Erleben, als zweitklassige Bürger behandelt zu werden, eine Rolle spielt. Bahrain zählt eine halbe Million Einwohner, von denen 70 % Schiiten sind. Aufgrund dessen sind sie als Bürger dieses Landes von allen höheren Berufs- und Verwaltungsfunktionen SAGT MAN DAS SO? ausgeschlossen.

Deshalb ist es in diesem Fall von großer Wichtigkeit, nicht von einer ‚islamischen Revolution’ zu sprechen. Es handelt sich in den verschiedenen Regionen an erster Stelle um jeweils große Bevölkerungsschichten, die sich wie ‚ein Mann’ erhoben haben und sich weiterhin erheben gegen jahrzehntelange Unterdrückung. Je nach Land, wozu sie gehören, konnte diese Unterdrückung andere Sektoren der Gesellschaft in Mitleidenschaft ziehen. Gemeinsam an der Unterdrückung, durch welcher Autokrat sie auch immer ausgeübt werde, ist, dass Millionen von Bürgern nicht in der Möglichkeit waren (und in vielen Fällen sind sie es noch immer nicht), für sich selbst und ihre Nächsten ein menschenwürdiges Dasein aufzubauen.

In Tunesien ging es am Anfang des Ausbruches primär um die Grundbedürfnisse, die ein menschwürdiges Dasein ermöglichen: Recht auf Arbeit und auf das ‚tägliche Brot’ und erst in einem nächsten Schritt wurden daran die übrigen Menschenrechte gekoppelt. Es handelte sich dabei um gebildete Gruppen der Gesellschaft, die nicht die Möglichkeit bekamen zu arbeiten. Die Wut, die entbrannte, war die Wut derjenigen, die auf die unterste Stufe der Erniedrigung angelangt waren. In Syrien wiederum, wo sich die Unruhen in der Stadt Deraa zu konzentrieren scheinen, stehen die Freiheit der Meinungsäußerung und das Recht auf freien Wahlen an vordersten Stelle.

Das, was die Bürger der arabischen Welt verbindet, ist dasjenige, was der libanesische Historiker und Publizist Samir Kassir als le malheur arabe, als arabisches Unglück und Leiden, bezeichnet. Es ist vielleicht verwunderlich, dass er dabei weder die ruhmreiche Vergangenheit noch Aspekte wie Sprache und Religion erwähnt. Dieser Malheur, dieses Unglück, verbindet die Völker sowohl im Maghreb als auch im Maschrek, vom Atlantik bis an dem Persischen Golf. Das läuft daraus hinaus, dass seit gut anderthalb Jahrhunderten es in keines dieser Gebieten bei den Bürgern genügend Bündelung der Kräfte gab, um das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen und selbst den Kurs ihrer Geschichte zu bestimmen. Laut Samir Kassir ist in der arabischen Welt das „arabische Unglück die Sache, die wir uns am deutlichsten teilen“. Die Haltung, immer wieder den Fehler bei den anderen zu suchen, bei den kolonialistischen Besetzungen oder bei den korrupten, vom Westen aufrechterhaltenen Regime, ist ebenso gut Teil des Unglücks. Eine allgemeine Stimmung von Ohnmacht und Verlust der Selbstachtung war die Folge. Dies alles war für den allergrößten Teil der Durchschnittsbevölkerung an menschunwürdige Lebensumstände gekoppelt, wobei sich keine reale Hoffnung auf eine bessere Zukunft abzeichnete und das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken, sowohl persönlich als auch historisch, während die übrige Welt mit beschleunigtem Tempo auf die Zukunft  zusteuert, dies alles sind die Faktoren, die die aktuellen Geschehnisse ermöglichten. Dennoch, im späten neunzehnten Jahrhundert kannte die arabische Welt eine politische und kulturelle Renaissance , die sich bis in die Anfangsjahrzehnte des zwanzigsten Jahrhundert erstreckte, bevor sie von den westlichen Interessenkonflikten des Ersten Weltkriegs und der Zeit danach erstickt wurde. Dieser Zeit wurde ständig von einer doppelten Vertrauenskrise geprägt . Das Selbstbewusstsein, das in der Nahda geboren wurde, verkam zum Nationalismus. Das Aufkommen der ersten Formen von Fundamentalismus in derselben Periode ist ebenfalls Ausdruck davon.

Die am 22. März 1945 gegründete Arabische Liga mit Hauptsitz in Kairo hatte als ursprüngliches Ziel, Verfestigung und Koordination politischer, wirtschaftlicher und sozialer Programme für alle Mitglieder der Liga und Vermittlung bei Konflikten zwischen Mitgliedern und zwischen Mitgliedern und dritten Parteien/Dritten. Diese Institution, die nun auch bei der Intervention in Libyen eine Rolle spielt, schaffte es nicht, den Nationalismus auf andere Wege zu bringen/ in eine andere Richtung zu lenken. Auch der bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Panarabismus inspirierte verschiedene Unifikationsversuche /Vereinigungsversuche mit dem direkt ins Auge springenden Beispiel im Jahre 1958 die ‚Vereinigte Arabische Republik’, eine Union von Ägypten und Syrien, die aber nur drei Jahre standhielt.

Nach dem Autor Amin Malouf herrscht als Folge davon in der arabischen Welt eine doppelte Vertrauenskrise, die im Grunde nichts anderes ist als ein EINBRUCH? SPALT? KLOOF?des eigenen Selbstvertrauens und Selbstbewusstseins. Es herrscht Frustration angesichts der traditionellen Lebensweisen, weil kein wahrnehmbarer wirtschaftlichen Fortschritt für alle gemacht wird.

Aber auch die westliche Lebensweise, die sich als Exponent der freien Marktideologie gelten lässt/vortut und die den traditionellen Werten gerade entgegengesetzt ist, kann das Vertrauen nicht wecken, höchstens eine Form von erlahmendem und unproduktivem Neid auf der einen Seite und eine zunehmende Tendenz zum Widerstand und Fundamentalismus auf der anderen Seite. Hier sei erwähnt, dass in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig Aufstände ausbrachen, die einmal/gelegentlich ‚Brotrevolutionen’ genannt wurden. Diese wurden aber jedesmal von den jeweiligen Regierungen mit allen Machtsmitteln erfolgreich unterdrückt und im Keim erstickt; selten schafften sie es in die Nachrichten.

Es wird vorläufig ein Mysterium bleiben, was genau die Kettenreaktion der Revolutionen verursachte, die ihren Anfang am 17. Dezember nahm, dem Tag, an dem sich der tunesische Obstverkäufer Tarek al-Tyyib Muhammad Bouazizi, der auch Baccalaureatus war, anzündete.

Robert Fisk bezeichnet das als eine ‚Entriegelung’, als den tatsächliche Moment, an dem die Fesseln, die die Gesamtheit der arabischen Welt in einen umklammernden Griff/Würfegriff hielten, aufgesprungen sind, ein historischer Moment wie ein geballtes Potential, das sich jedes Mal aufs Neue in einer Reihe von entscheidenden Momenten entladet, die jeder für sich den Lauf der Geschichte tiefgreifend veränderten und weiterhin verändern werden. Man kann es nicht leugnen: ein neuer Wind weht durch all diese Regionen, wie unterschiedlich sie sonst auch sein mögen. „Wir haben nicht länger Angst“, ist ein Motiv, das sich in jedem dieser entscheidenden Momente wieder auftaucht und in dem die Kraft dieses Moments (in den Medien beharrlich ‚Momentum’ genannt) am deutlichsten hervortritt.

Die vielen Wege der Demokratie

Geht es bei diesen Revolutionen, die noch im vollen Gang sind um eine demokratische Revolution? Und wenn ja, was könnte das bedeuten?

Demokratie stellt keine vorgegebene  Regierungsform dar, mit der eine Gesellschaft die Beziehungen zwischen ihren Bürgern oder zwischen Bürgern und Staat regelt. Ebenso wenig ist sie eine historische Erscheinung, die an einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen würde, um in einer späteren Zeit wieder zu verschwinden. Die Demokratie, seit sie erstmals im klassischen Athen in Erscheinung trat, hat bereits einen langen Weg zurückgelegt. Offensichtlich geht es in der Tiefe um eine auf die Zukunft gerichtete Intention, der nur dank des Beitrags des einzelnen Menschen Gestalt gegeben werden kann. Diese Formen-In-Bewegung bezeichnen wir als Demokratie.

Denn Demokratie hat den Charakter eines Entwurfs, es geht um eine fortwährende Untersuchung. Anders gesagt: sie ist, was ihr Wesen betrifft, ganz und gar in Entwicklung begriffen. Das, was ihr vorwärts bringt, sind gerade nicht theorethische Definitionen derer, sondern jeder Versuch (ungeachtet des letztendlichen Ergebnisses), wozu Bürger beigetragen haben, sie einen Schritt vorwärts in ihrer Entwicklung zu bringen. Ein solcher Entwicklungsschritt kann nachher in einer Art Reflexion und Rückbesinnung dokumentiertt werden, ebenso wie das mit Forschungsergebnissen geschieht.

Einige Konsequenzen bieten sich an. Begreifen wir Demokratie als dasjenige, was sich durch die Zeit hindurch entwickelt und sich lediglich auf Grund der Beiträgen jedes Mitglieds der Gesellschaft entwickeln kann, sollte Folgendes überlegt werden:

Demokratie können wir uns nicht als ‚unsere’ Demokratie oder ‚unsere’ demokratischen Werte zueignen. Niemand, auch nicht der am stärksten demokratisch regierte Staat, kann sich zum ‚Eigentümer’ der Demokratie ausrufen. Denn in diesem Augenblick würde der Prozess zum Erliegen kommen.

Ebenso wenig und aus den gleichen Gründen kann Demokratie nicht auferlegt oder ‚verpflanzt’ werden. Die Bürger als tatsächliche Akteure eines demokratischen Prozesses sind die einzigen, die dies durchführen können, insofern es ihrer Forschung betrifft. Demzufolge ist es Teil des demokratischen Prozesses als Forschungsprozesses, dass die Wege, die dahinführen, sehr verschieden sein können.

Urteile über den Weg des anderen  gründend auf das eigene Unterwegssein fügen dem demokratischen Prozess nichts hinzu. Nur die Erkenntnis, dass es zum Recht des Bürgers einer bestimmten Gesellschaft gehört, selbst öffentlich aktiv zu werden, öffnet den Raum, der nötig ist, um dies ausführen zu können.

Die sich fortwährend entrollenden Ereignisse in der arabischen Welt bieten in dieser Hinsicht einen nicht einfachen, aber wichtigen Übungsbereich. Denn gerade die Zurückhaltung, was die eigenen Urteile über den demokratischen Gehalt von dem betrifft, was sich woanders abspielt, fordert einem dazu auf, die Idee der Demokratie in der eigenen Gesellschaft zu vertiefen.

Modernisierung und Säkularisierung sind Teil des Weges, den der westliche Teil der Menschheit in Richtung Verwirklichung der Demokratie geht. Dies braucht nicht zu bedeuten, dass dies der einzige Weg sei. Welche weitere Wege auch noch beschritten werden können, wird nicht entdeckt, indem man den eigenen Weg verabsolutiert. Dies kann nur entdeckt werden, indem man sich in das Wesen selbst der Demokratie (das heißt, in das Weiterschreiten) vertieft.

Von diesem Gesichtspunkt aus können die Umwälzungen in der arabischen Welt auch als eine Einladung an jeden von uns gesehen werden, nicht länger Zuschauer gegenüber dem zu sein, was sich scheinbar ohne unser Zutun vollzieht. Zum Teilhaben am Schöpfungsprozess von wahrer Demokratie – oder von Demokratie als einer Erscheinungsform der Wahrheit – ist jeder eingeladen. Die Worte Rudolf Steiners in der Einleitung von Wahrheit und Wissenschaft sind in dieser Hinsicht von brennender Aktualität: „ (…) die Wahrheit ist nicht, wie man gewöhnlich annimmt, die ideelle Abspiegelung von irgendeinem Realen (…), sondern ein freies Erzeugnis des Menschengeistes, das überhaupt nirgends existierte, wenn wir es nicht selbst hervorbrächten. Die Aufgabe der Erkenntnis ist nicht: etwa schon anderwärts Vorhandenes in begrifflicher Form zu wiederholen, sondern die: ein ganz neues Gebiet zu schaffen, das mit der sinnenfällig gegebenen Welt zusammen erst die volle Wirklichkeit ergibt. Damit ist die höchste Tätigkeit des Menschen, sein geistiges Schaffen, organisch dem allgemeinen Weltgeschehen eingegliedert (…) Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universum.“

Christine Gruwez

Uebersetzung aus dem Niederländischen: Agnes Dom-Lauwers